Gestern kam ein dm-Paket mit Putzutensilien und anderen Dingen des täglichen Bedarfs an: und nicht nur, weil wir kein Auto haben und janz weit draußen wohnen und deswegen immer froh sind, keine 80 WL-Vorteilspackung von Perwoll Waschmittel für Helles und Weißes (denn ja, ich habe echt viel helle Kleidung und ja, mit Perwoll zu waschen gibt mir immer noch so ein erhabenes Gefühl von #luxus) auf dem Fahrrad nach Hause schleppen zu müßen, haben wir uns ziemlich dolle über dieses Paket gefreut...
sondern auch, weil da neues Putzzeug drin war. Ja. Ich habe es gesagt. Und es ging nicht nur mir so: nachdem wir zu Abend gegessen und eine Folge von How clean is your house auf DVD (mein SCHATZ!) gesehen hatten, sagte der Mitarbeiter von sich aus zu mir "und dann machen wir noch das Paket auf!!", vorfreudig, so als wäre es der Nachtisch. Die beste Abendgestaltung. Unser gemeinsames Leckerli.
...und dann lass uns noch das Klo zu Ende putzen.. ich bin da voll scharf drauf!
wurde mir klar: etwas ist anders - und zwar fundamental. Nicht nur, daß wir einen neuen 'Korallenstein' (O-Ton unseres Freundes, den er als Allzweckwaffe gegen Verfärbungen auf Emaille empfahl) unser eigen nennen und damit endlich dem Endgegner von Ablagerungen harten Wassers in der Kloschüssel zuleibe rücken -
und der Mitarbeiter dabei fröhlich Kim Woodburn vor sich hinzitiert
Your life, dear, is down the loo, dear!
nein; wir bezeichnen auch Sachen wie Feuchte Allzwecktücher, Mop und Staubwedel als Dinge des täglichen Bedarfs. Weil wir ihrer täglich bedürfen. Wir sind zur Fraktion 'little, but often' übergewechselt, auf gut deutsch: mach es doch gleich (mütterlicher Hass-Satz N°1) und es gibt nichts Gutes, außer man tut es (Wahlspruch aller Menschen, die ihr Leben aufreizend gut unter Kontrolle haben?)
Ich könnte mittlerweile ein "meine liebsten Haushaltshelfer" oder "dm-Putzmittel: live review" oder sowas drehen, dabei geht es eigentlich nicht um die Hilfsmittel an sich: es geht um das System, was dahinter steht oder eher - den Systemwechsel. Von Messie zu Messias, der Heim und Seelenheil in einem rettet, sozusagen.😇
Und eines wird in jeder Folge meiner liebsten Motivationspritzen in Filmform (von How clean is your house über Kim's rude awakening bis Obsessive compulsive cleaners) klar:
erst aufräumen, dann putzen.
So will es das Gesetz.
Deswegen hatte meine Schwester auch tatsächlich mal den wahnhaften Gedanken in Betracht gezogen, ihre ihr wohlgesonnene Putzfrau nur noch alle zwei Wochen kommen zu lassen, weil sie sonst JEDE Woche einmal richtig aufräumen und zu Hause klar Schiff machen muß, damit die Frau überhaupt Besen, Mop und Wedel schwingen kann!
Und woher kam diese Aversion der eigentlich super guten Haushaltshilfe gegenüber? Der einfache Grundsatz:
wenn aufräumen nicht geht, dann, weil zuerst grundsätzlich entrümpelt werden müßte.
erklärte das Dilemma, in dem sich wahrscheinlich eher mehr als weniger Mitmenschen befinden und in dem auch wir uns früher verstrickten. Denn:
Einen Haushalt zu organisieren geschieht auf mehreren Ebenen:
A) grundlegendende Instandhaltung und B) tiefgreifende Umgestaltung.
Und wer diese beiden vermischt oder miteinander verwechselt, der wird nie dort ankommen, wo er eigentlich mal hinwollte und sich, während er sich auf dem Holzweg befindet, auch die ganze Zeit noch selbst die Schuld daran geben oder gar der Faulheit beschuldigen. Dabei gilt auch hier mal wieder der einfach Leitsatz: es ist alles eine Frage der Technik. Nur muss es die richtige sein für das angepeilte Ziel!
Dankenswerterweise hat Audrey von Organized Chaos das Ganze für mich derart auseinanderklamüsert, wie ich es nicht in Worte hätten fassen können: deswegen gibt es hier nun die Übersetzung ihres Beitrags inklusive meiner Gedanken dazu, mir zur Erinnerung.
Zusammengefasst läßt sich obiges Bild so erklären:
Auf Ebene A (Wartung) bleibt grob alles, wie es ist, es kann nur etwas ordentlicher oder unordentlicher, etwas sauberer oder etwas schmutziger werden. Das grobe Wohngefühl aber (luftig vs. zugestellt) und auch die Funktionalität (man findet Dinge leicht vs. der Haushalt macht es nötig, jeden Weg dreimal zu machen) bleiben gleich. Wer sich stets auf Ebene A aufhält, ist mit dem, was er hat und lebt, zufrieden und will das nur erhalten. Die Tätigkeiten auf dieser Ebene beschränken sich aufs Tagesgeschäft, können dafür aber auch nicht langfristig aufgeschoben oder ständig übersprungen werden.
Auf Ebene B (Transformation) finden tiefgreifende Umwälzungen statt: hier kann sich alles verändern, d.h. Wohngefühl und auch die Funktionalität des gesamten Haushalts werden auf dieser Ebene gestaltet, nicht nur erhalten. Dafür ist es meist nötig, mehr als nur einen Tag Zeit einzuplanen, im Gegenzug sind hier geschaffene Ergebnisse aber auch von Dauer.
Die Spielregeln sind:
- jede Ebene kann für sich allein bearbeitet werden
- Punkt 1 (egal auf welcher Ebene) geht immer vor Punkt 2, d.h.
- Punkt 1 geht immer
- Punkt 2 geht nur, wenn als Voraussetzung dafür vorher Punkt 1 durchgeführt wurde
zur genaueren Erklärung
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Die vier Schichten deines Zuhauses
Warum Putzen nicht dasselbe ist wie Entrümpeln – und warum es so anstrengend ist, beides zu verwechseln!
Wenn Putzen tatsächlich Unordnung beseitigen und die Lösung für alle Probleme im Haushlt wäre, wäre Ihr Zuhause nach einem Frühjahrputz und Großreinemachen bereits perfekt. Das ist es aber nie – denn das Putzen war nie das eigentliche Problem.
Die meisten Menschen konzentrieren Ihre Kraft nicht auf die falschen Aufgaben, sondern sie machen schon die richtigen Arbeiten, aber in der falschen Reihenfolge. Wir verwenden Begriffe wie aufräumen, putzen, entrümpeln und organisieren synonym füreinander, als wären sie also austauschbar, das sind die aber nicht. Aufräumen, putzen, entrümpeln und organisieren sind völlig unterschiedliche Aufgaben, die völlig unterschiedliche Ergebnisse erzeugen. Wenn wir sie verwechseln, fühlen wir uns oft, als steckten wir fest, kämen irgendwie nicht weiter, fühlen uns überfordert und erschöpft.
Lasst uns die vier Phasen des Wohnens genauer betrachten – und warum die Reihenfolge wichtig ist.
Die vier schichten des Zuhauses
Es gibt zwei Kategorien der Instandhaltung unseres Zuhauses, und jede umfasst zwei Schritte:
A. Wartungsmodus
- Aufräumen → dann Putzen
B. Transformationsmodus
- Entrümpeln → dann Organisieren
Die meisten Menschen verharren im Wartungsmodus und hoffen auf Veränderung. Doch Wartung hält die Dinge nur am Laufen und erhält somit den Status Quo; erst Veränderung verändert, wie die Dinge laufen.
A. WARTUNGSMODUS
1. Aufräumen
Aufräumen bedeutet einfach, visuelle Unordnung zu beseitigen. Es bedeutet, die Dinge wieder an ihren ursprünglichen Platz zurückzustellen.
Aufräumen:
- setzt einen Bereich quasi auf Werkseinstellung zurück (ein Wohnzimmer z.B. ist wieder als Wohnzimmer erkennbar, nicht mehr nur als undefinierbarer Allzweckraum oder Rumpelkammer)
- stellt optisch wieder Ruhe her
- ist schnell und leicht wiederholbar
- ist Vorraussetzung fürs Putzen
Aufräumen erleichtert den Alltag. Aber Aufräumen verändert nicht das Zuhause. Ein aufgeräumtes Zuhause kann trotzdem mit zuviel Kram angefüllt, chaotisch und schwer zu handhaben sein – es sieht nur oberflächlich besser aus.
2. putzen
Staubsaugen, Wischen, Schrubben, Abwischen und so weiter.
Reinigung:
- Benötigt mehr Zeit und Energie
- Zugang zu Bereichen erforderlich – das heißt, Sie müssen diese vorher aufräumen!
Man kann nicht um Haufen herumputzen, also verschiebt man diese (nur).
Und genau wie Aufräumen verändert auch Putzen nicht automatisch das Zuhause. Man kann zehn Jahre lang jede Woche putzen und sich trotzdem zu Hause unwohl fühlen.
Die Instandhaltung hat kein Ende. Sie hört nie auf. Deshalb kann man das Gefühl bekommen, ständig zu arbeiten, ohne aber ein dauerhaftes Ergebnis erzielen zu können.
B. Transformationsmodus
1. Ausmisten
Ausmisten bedeutet, Entscheidungen zu treffen, nicht zu putzen oder aufzuräumen. Es geht darum, die Menge an Gegenständen, die sich im Haushalt befinden, zu reduzieren – und dafür auszuwählen, was bleibt, und sich von dem zu trennen, was nicht.
Entrümpeln stellt die Fragen:
- Benutze ich das?
- Liebe ich das?
- Behalte ich es aus Schuldgefühlen, Angst oder Gewohnheit?
Ausmisten ist mental anstrengend, weil es emotionale, nicht physische Arbeit ist. Aber es reduziert dauerhaft die Menge an Dingen, die man verwalten muss.
2. Organisieren
Neu anordnen (= organisieren) kommt immer erst nach dem Ausmisten. Der Hauptgrund, warum Menschen nicht weiterkommen in dem Bereich liegt im Versuch, vor dem Ausmisten zu organisieren.
Wenn man versucht, Überflüssiges zu ordnen, ordnet man nichts wirklich – man verschiebt nur die Unordnung von einem Platz an den nächsten: es gibt neue Behälter oder Regale, aber das gleiche, überwältigende Volumen an Dingen = es hat sich nichts geändert.
Bei der Organisation geht es darum, dem, was übrig bleibt, einen Platz zuzuweisen – nicht all dem, was man ursprünglich hatte.
Organisation:
- Gruppiert Elemente nach Funktion
- Erschafft Systeme, die der Realität entsprechen
- Dinge lassen sich so leicht finden und leicht verstauen
Und hier ist der Satz, den man sich merken sollte:
Überflüss lässt sich nicht organisieren. Man kann ihn nur eindämmen .
Wer die Kapazitäten seiner Stauräume überschreitet, wird immer wieder am Ausgangspunkt, daß es partout nicht ordentlich bleiben will, ankommen. Systeme brechen einfach zusammen, wenn sie überlastet sind.
Organisation kann nur für dauerhafte Ordnung sorgen, wenn vorher entrümpelt wurde.
Warum Menschen feststecken
Die meisten Menschen tun dies unwissentlich:
- Aufräumen, wenn eigentlich entrümpelt werden muss
- Endloses Aufräumen ohne Systeme
- Organisationssysteme kaufen, anstatt das Gesamt-Volumen zu reduzieren
Sie haben also das Gefühl, ständig zu arbeiten, aber nichts ändert sich. Das liegt daran, dass sie im Wartungsmodus feststecken und hoffen, dass sich daraus wie von Zauberhand eine Transformation entwickelt. Das wird nicht passieren.
Das ist kein persönliches Versagen – es ist ein Kategorienfehler.
Wie Sie herausfinden, welchen Modus Sie benötigen
Falls Sie fragen:
- Warum müllt es immer wieder zu?
- Warum ist es so schwer, Ordnung zu halten?
- Warum bin ich gefühlt ständig am Aufräumen?
Sie müssen entrümpeln oder organisieren.
Falls Sie fragen:
- Warum fühlt sich alles so schmuddelig an?
- Warum mufft es hier?
- Warum schäme ich mich für das Chaos?
Sie müssen aufräumen oder putzen.
Fazit
Für ein schönes Zuhause ist es nicht nötig, mehr Aufwand zu betreiben – es braucht nur die richtige Art von Arbeit.
- Regelmäßige Instandhaltung sorgt dafür, dass das Haus funktionsfähig bleibt.
- Durch die Umgestaltung verändert sich das Wohngefühl.
Sobald man aufhört, von dem einen zu erwarten, dass es die Arbeit des anderen erledigt, wird alles leichter, einfacher und viel weniger überwältigend!
➥Insgesamt hat mich das Konzept an the 4 layers of a clean home erinnert, was ich schonmal 2024 besprochen hatte: allerdings ist diese Umschreibung für mich noch besser, um zu erklären, warum manches z.B. einfach nicht funktionieren will oder was der Einzelne gerade braucht, um zum gewünschten Ergebnis zu kommen. Deswegen nehme ich es hiermit auch mit in mein persönliches Repertoire an Tipps und Memos auf, die auch mich vom Ordnungs-Messie zum Ordnungs-Messias machen 🧹
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