Warum Aufräumen nicht dasselbe ist wie Entrümpeln

Freitag, 8. Mai 2026

 

Gestern kam ein dm-Paket mit Putzutensilien und anderen Dingen des täglichen Bedarfs an: und nicht nur, weil wir kein Auto haben und janz weit draußen wohnen und deswegen immer froh sind, keine 80 WL-Vorteilspackung von Perwoll Waschmittel für Helles und Weißes (denn ja, ich habe echt viel helle Kleidung und ja, mit Perwoll zu waschen gibt mir immer noch so ein erhabenes Gefühl von #luxus) auf dem Fahrrad nach Hause schleppen zu müßen, haben wir uns ziemlich dolle über dieses Paket gefreut...


sondern auch, weil da neues Putzzeug drin war. Ja. Ich habe es gesagt. Und es ging nicht nur mir so: nachdem wir zu Abend gegessen und eine Folge von How clean is your house auf DVD (mein SCHATZ!) gesehen hatten, sagte der Mitarbeiter von sich aus zu mir "und dann machen wir noch das Paket auf!!", vorfreudig, so als wäre es der Nachtisch. Die beste Abendgestaltung. Unser gemeinsames Leckerli. 



Und spätestens als er, wie ein Schneekönig zwischen Feuchten Möbeltüchern, reiner Sauerstoffbleiche, und WC-Reiniger mit Meeresmineralien sitzend, hinzufügte
...und dann lass uns noch das Klo zu Ende putzen.. ich bin da voll scharf drauf!


wurde mir klar: etwas ist anders - und zwar fundamental. Nicht nur, daß wir einen neuen 'Korallenstein' (O-Ton unseres Freundes, den er als Allzweckwaffe gegen Verfärbungen auf Emaille empfahl) unser eigen nennen und damit endlich dem Endgegner von Ablagerungen harten Wassers in der Kloschüssel zuleibe rücken -

und der Mitarbeiter dabei fröhlich Kim Woodburn vor sich hinzitiert

Your life, dear, is down the loo, dear!


nein; wir bezeichnen auch Sachen wie Feuchte Allzwecktücher, Mop und Staubwedel als Dinge des täglichen Bedarfs. Weil wir ihrer täglich bedürfen. Wir sind zur Fraktion 'little, but often' übergewechselt, auf gut deutsch: mach es doch gleich (mütterlicher Hass-Satz N°1) und es gibt nichts Gutes, außer man tut es (Wahlspruch aller Menschen, die ihr Leben aufreizend gut unter Kontrolle haben?)



Ich könnte mittlerweile ein "meine liebsten Haushaltshelfer" oder "dm-Putzmittel: live review" oder sowas drehen, dabei geht es eigentlich nicht um die Hilfsmittel an sich: es geht um das System, was dahinter steht oder eher - den Systemwechsel. Von Messie zu Messias, der Heim und Seelenheil in einem rettet, sozusagen.😇


Und eines wird in jeder Folge meiner liebsten Motivationspritzen in Filmform (von How clean is your house über Kim's rude awakening bis Obsessive compulsive cleaners) klar: 

erst aufräumen, dann putzen. 

So will es das Gesetz. 

Deswegen hatte meine Schwester auch tatsächlich mal den wahnhaften Gedanken in Betracht gezogen, ihre ihr wohlgesonnene Putzfrau nur noch alle zwei Wochen kommen zu lassen, weil sie sonst JEDE Woche einmal richtig aufräumen und zu Hause klar Schiff machen muß, damit die Frau überhaupt Besen, Mop und Wedel schwingen kann!

Und woher kam diese Aversion der eigentlich super guten Haushaltshilfe gegenüber? Der einfache Grundsatz:

wenn aufräumen nicht geht, dann, weil zuerst grundsätzlich entrümpelt werden müßte.


erklärte das Dilemma, in dem sich wahrscheinlich eher mehr als weniger Mitmenschen befinden und in dem auch wir uns früher verstrickten. Denn:


Einen Haushalt zu organisieren geschieht auf mehreren Ebenen: 


A) grundlegendende Instandhaltung und B) tiefgreifende Umgestaltung. 


Und wer diese beiden vermischt oder miteinander verwechselt, der wird nie dort ankommen, wo er eigentlich mal hinwollte und sich, während er sich auf dem Holzweg befindet, auch die ganze Zeit noch selbst die Schuld daran geben oder gar der Faulheit beschuldigen. Dabei gilt auch hier mal wieder der einfach Leitsatz: es ist alles eine Frage der Technik. Nur muss es die richtige sein für das angepeilte Ziel!




Dankenswerterweise hat Audrey von Organized Chaos das Ganze für mich derart auseinanderklamüsert, wie ich es nicht in Worte hätten fassen können: deswegen gibt es hier nun die Übersetzung ihres Beitrags inklusive meiner Gedanken dazu, mir zur Erinnerung.


Zusammengefasst läßt sich obiges Bild so erklären: 


Auf Ebene A (Wartung) bleibt grob alles, wie es ist, es kann nur etwas ordentlicher oder unordentlicher, etwas sauberer oder etwas schmutziger werden. Das grobe Wohngefühl aber (luftig vs. zugestellt) und auch die Funktionalität (man findet Dinge leicht vs. der Haushalt macht es nötig, jeden Weg dreimal zu machen) bleiben gleich. Wer sich stets auf Ebene A aufhält, ist mit dem, was er hat und lebt, zufrieden und will das nur erhalten. Die Tätigkeiten auf dieser Ebene beschränken sich aufs Tagesgeschäft, können dafür aber auch nicht langfristig aufgeschoben oder ständig übersprungen werden.


Auf Ebene B (Transformation) finden tiefgreifende Umwälzungen statt: hier kann sich alles verändern, d.h. Wohngefühl und auch die Funktionalität des gesamten Haushalts werden auf dieser Ebene gestaltet, nicht nur erhalten. Dafür ist es meist nötig, mehr als nur einen Tag Zeit einzuplanen, im Gegenzug sind hier geschaffene Ergebnisse aber auch von Dauer. 


Die Spielregeln sind:

  • jede Ebene kann für sich allein bearbeitet werden
  • Punkt 1 (egal auf welcher Ebene) geht immer vor Punkt 2, d.h.
  • Punkt 1 geht immer
  • Punkt 2 geht nur, wenn als Voraussetzung dafür vorher Punkt 1 durchgeführt wurde


zur genaueren Erklärung

🠟



➥Insgesamt hat mich das Konzept an the 4 layers of a clean home erinnert, was ich schonmal 2024 besprochen hatte: allerdings ist diese Umschreibung für mich noch besser, um zu erklären, warum manches z.B. einfach nicht funktionieren will oder was der Einzelne gerade braucht, um zum gewünschten Ergebnis zu kommen. Deswegen nehme ich es hiermit auch mit in mein persönliches Repertoire an Tipps und Memos auf, die auch mich vom Ordnungs-Messie zum Ordnungs-Messias machen 🧹



0 Kommentare:

Kommentar veröffentlichen

ACHTUNG: Wenn du auf meinem Blog kommentierst, werden die von dir eingegebenen Formulardaten (und unter Umständen auch weitere personenbezogene Daten, wie z.B. deine IP-Adresse) an Google-Server übermittelt. Mehr Infos dazu findest du in meiner Datenschutzerklärung und in der Datenschutzerklärung von Google

Kommentare, die Werbung oder Links mit der klaren Absicht zur Werbung enthalten, werden vor Veröffentlichung aussortiert und ohne Ankündigung gelöscht.

Back to Top