Die totale Ordnung | #allesodernichts

Sonntag, 23. April 2023




Dieses Motto klingt martialischer, als es ist; es schoss mir folgendermaßen durch den Kopf:

Als ich vor ein paar Wochen im Bad stand und irgendein Ding in der Hand hatte, was es wegzuräumen galt, wanderten meine Gedanken durch die Wohnräume an genau den Ort, an den es hingehörte.. und mir wurde klar 

es gibt nur die totale Ordnung oder keine Ordnung. Es geht um alles oder nichts.

Und "ein bißchen ist besser als gar nichts", was ich sonst sehr gern und in eigentlich jedem Lebensbereich propagiere, trifft hier nicht zu. 

Lasst mich das erklären und dafür etwas weiter ausholen, für eine Abhandlung über meine (neue) Beziehung zum ritualisierten Aufräumen: ich fand das Konzept an sich immer übertrieben, aufgesetzt und grob gesagt doof. Ich konnte mit super reinlichen Hausmäuschen, die brav auch noch die Blätter ihrer Grünpflanzen wienerten, nichts anfangen - und das ist auch nur logisch, denn ich war nicht so aufgewachsen und deswegen konnte mir nichts fremder sein als das strukturierte und in den Alltag eingebundene Organisieren der Räume und der eigenen Habseligkeiten, in denen und mit denen man lebt. 
Ich fand das, nebenbei bemerkt, auch immer uncool; ich wollte mich nicht an einem extra Putztag in der Woche mehr mit den Möbeln als mit den Menschen abgeben und mich am Wochenende mehr mit Aufräumen statt Ausflügen beschäftigen.. Außerdem fand ich sehr ordentliche Räume immer ungemütlich, wie gesagt: ich mag meinen Kram und das als 'kreativ' beschönigte Chaos und das tue ich auch nach wie vor.. aber ORDNUNG darin zu halten wird mit der Zeit immer schwerer, wenn es so gar nicht organisiert sein will!


ungemütlicher Hotelzimmer-Chic

gemütliche Kram-Atmosphäre: viel eher mein Fall 


Heute weiß ich: 
  1. ich werde nicht weniger kreativ, wenn ich ordentlicher werde. Ganz im Gegenteil: ich habe endlich den Blick frei auf die Dinge, die MICH wirklich persönlich betreffen und somit inspirieren, wenn der ganze fremde Müll weg ist, mit dem ich überhaupt nichts verbinde. 
  2. Ich lebe nicht automatisch in einem wie steril wirkenden Hotelzimmer, nur weil es aufgeräumter ist als bei Hempels unterm Sofa. Denn ich habe nach wie vor mehr, als manch anderer und es sieht bunt zusammengewürfelt statt #clean aus, aber es ist jetzt genauso viel, wie ein jeder Raum halten und wie ich gedanklich unter Kontrolle haben kann.
  3. Und: Ordnung halten ist nicht schwer, im Chaos leben aber sehr; woher ich das weiß? Wir sind über die engste Familie direkt mit Wohnbereichen verbunden, die eindeutig in die Kategorie #Messie fallen (und zwar leider wortwörtlich, nicht im aufgebauschten Sinne) und können sagen: es ist mehr als auslaugend. Nicht nur im rein praktischen, sondern auch im übertragenen Sinne. Krasser als dort kann einem nicht vor Augen gehalten werden, wie viel an unbelebter Masse ZU VIEL IST, so daß einem die Dinge nicht mehr nutzen, sondern nur noch belasten.


Und deswegen ist es für mich eben kein Verlust, mich von meinen überholten Vorurteilen und vollgekramten Oberflächen zu befreien, denn - jetzt kommt nochmal eines meiner Lieblingsbeispiele, welches mir die Augen geöffnet hat:



WAS ist mir denn lieber? 
  • Eine vielleicht ETWAS ZU MANISCH penibel freigehaltene Küchenoberfläche, auf der nicht mehr Gerät xyz steht und mir Platz zum Arbeiten läßt (Arbeitsflächen sind zum Arbeiten mit Dingen, nicht zum Lagern von Dingen) 
  • oder aber der Kramladen deluxe, auf dem zwar jedes Ding Asyl kriegt und ich mich nach nix bücken muss, weil es mir direkt vor der Nase steht, was aber im Gegenzug auch einen Hauch von Kontrollverlust und mehr als einen Hauch von Unruhe ausstrahlt?




Mir ist aufgefallen: ich bin lieber die etwas verkrampft wirkende Tante, die Gäste bittet, keine Geschenke mitzubringen (oder diese, bei Nicht-Gehorsam, noch in der Diele aufreißt, um es zu inspizieren und um das Papier und weiteres Verpackungsmaterial gar nicht erst in die Höhle schleppen zu lassen) und verlangt, daß Dinge an ihren Platz verräumt und nicht 'nur mal kurz' irgendwo rumgammeln gelassen werden und die zu all dem Chaos, was sich ausbreitet, nicht mehr nur lieb 'Ja' und 'Amen' sagt, nur weil sie ja so cool und locker ist...

ich will das nicht mehr. Ich will nicht mehr etwas sein müßen, nur weil ich so aufgewachsen bin oder weil mein ganzes Umfeld eben so ist. Und ich will dann lieber die - in meiner Vorstellung immer mega-gruselige - nach Meister Proper duftende Putzfee sein, welche die dicken Blätter ihrer immergrünen Grünpflanzen mit Politur wienert, wenn ich mich damit zumindest etwas wohler fühle als im anderen Extrem.

Denn ich kann nun sagen: ich habe jetzt erlebt, wie schön und wohnlich und gar nicht arg-schaurig es auf der anderen, der ordentlichen Seite ist. Und wie gut es sich da lebt, im ganz praktischen Sinne! Und dafür ertrüge ich auch gern, mit Worten wie #verkrampft #unentspannt und #putzdrachen belegt zu werden, denn das ist es mir wert! Und ich werde wahrscheinlich solange weiter über dieses Thema schreiben, wie es mich umtreibt und - man mag es kaum glauben - mir Freude bereitet :)


Deswegen hier meine besten Tipps aus dieser Runde Erkenntnisgewinn:

Die totale Ordnung

#allesodernichts

Wer nur einen kleinen Erfolg feiern will, dem reicht es, mit einer Schublade oder 5min ausmisten pro Tag anzufangen.
Wer einen bestimmten Bereich organisieren will, ihm der Rest aber egal ist, kann auch nur das tun. Es wird danach definitiv ordentlicher sein als zu Beginn und der Ort wird einem wahrscheinlich, allein schon beim Betrachten, mehr Freude machen als zuvor.. aber ein Gefühl von Ordnung, von Aufgeräumt-Sein und von Kontrolle über die Dinge wird dadurch nicht entstehen. 

Denn das ist etwas Allumspannendes, etwas, was den gesamten Wohnbereich mit all seinen Räumen umfasst und jede noch so kleine, verkramte Ecke mit einschließt.. und erst das Wissen darüber, WOHIN JEDES DING ZU JEDER ZEIT GERÄUMT WERDEN KANN, sorgt für dieses Gefühl innerer Ruhe. Wenn ich meine Gedanken entfalten kann und auf ihnen durch die Räume gleiten und ungehindert an den Ort fliegen, an welchem ich den Gegenstand ablegen kann, ja dann, erst dann, ist die totale Ordnung erreicht. Wie ein Puzzle, was erst komplett ist, wenn alle Teile an ihrem Platz liegen oder wie ein Projekt, was erst mit seinem Abschluss seine Erfüllung findet. 

Und so haben wir für uns entdeckt: erst seitdem wir durch alle Räume durch sind, wir jede Schublade, jedes Kramfach, jeden Regalboden komplett entleert, sortiert und von Müll befreit haben, haben wir eine Art von Seelenruhe gefunden. Ja, das klingt wie ein großes Wort, aber es ist genau das, was mir das Aufräumen geschenkt hat; eine Art inneren Frieden, den ich mit dem Thema gemacht habe. Denn um dieses Gefühl von Kontrolle über die Dinge zu erlangen, anstatt das sie mich kontrollieren, muss eben alles aufgeräumt sein: ein aufgeräumter Bereich reicht dafür nicht aus, damit in jedem Moment aus jedem Raum alles an seinen ihm zugewiesenen Platz geräumt werden kann, so wie ich es eingangs mit meinem Aha-Erlebnis im Bad erwähnt habe.

Denn hatten wir früher zumindest das Bad halbwegs unter unsere Kontrolle gebracht (unzählige #gettingmysh*ttogether Videos zeugen davon!), so nutzte mir die dortige Ordnung nichts, wenn ich etwas von dort woandershin räumen wollte. Meine Gedanken, die durch die anderen Räume mit dem Teil schonmal losflogen, wurden jäh an der Badtür gestoppt.. und ich kann euch sagen: solche Hindernisse, real und im übertragenen Sinne, frustrieren einen. Ich habe mir mit dem Aufschieben des Problems nicht nur real Steine in den Weg gelegt, die mich von einem ordentlichen Umfeld abschirmten, sondern mich auch innerlich demoralisiert, indem ich jedesmal an den Klippen meiner eigenen Unfähigkeit zerschellt bin. Das war so dumm und unnötig, sich tagtäglich diesen inneren, seelenzersetzenden Enttäuschungen von "ich weiß gar nicht, wie und wo --- ich kann das nicht --- ich muss es sein lassen" auszusetzen, denn es ist viel schöner, sich als fähig und kompetent zu erleben. Und zwischen diesem Wunschbild und meiner selbst lagen nur ungefähr 3 Monate mit der "5min/Tag bzw. 1 Schublade/Tag"-Methode, in denen wir durch eine ganze Wohnung durch sind. 

Mut ist der Zauber, der aus Träumen Wirklichkeit werden läßt.

Und, hier kommt die Trumpfkarte ins Spiel, welche ich glücklicherweise immer ziehen konnte: sucht euch, wenn es geht, einen Aufräum-Buddy, also jemanden, mit dem ihr euch in diesen Zeiten der Umwälzung verbünden könnt. Warum sonst gibt es sowas wie ein Aufräum-Coach-Business? Warum buchen sich Menschen andere wildfremde Menschen, die sich zu sich nach Hause einladen, um in ihren intimsten Intimitäten herumzuwühlen, wenn nicht, weil es anders nicht geht? Ich zumindest hätte all das niemals, ich betone, NIE-MALS, ohne des Mitarbeiters Hilfe geschafft. Ohne ihn bekomme ich in dem Bereich gar nichts zuwege; er ist der Mutmacher, der Ermöglicher von Dingen, die ich mir niemals zugetraut hätte. Er ist der Zauberer.




1 Kommentar:

  1. Wie du gesagt hast. Erst wenn jedes Teil seinen Platz hat, kann Ordnung herrschen. Dann kann man in Gedanken es schonmal wegstellen und kann diesem Problem eine Lösung zuordnen. Denn das Gehirn mag nur gelöste Probleme. Andersrum passt es auch. Nach etwas zu suchen, bei dem man nicht genau weiß wo es ist, fällt viel schwerer, als genau an diese Schublade zu gehen, wo das benötigte Teil liegt, weil es eben dort seinen Platz hat.
    Ich finde es wichtig, es so zu halten, wie es für einen gemütlich ist.
    Und wenn man Ordnung haben möchte, aber am Anfang steht, sind deine Tipps perfekt!
    Mögen die Leute sagen was sie wollen. Die meisten Menschen müssen nicht in dieser Wohnung leben, in der man selbst wohnt. Und es kommt darauf an, dass man sich selbst in seinen vier Ecken wohl fühlt.
    Ich finde den Artikel sehr hilfreich und aufmunternd. :-)
    Und ja, mit jemandem, oder für jemanden aufzuräumen ist viel leichter, als allein :-)

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